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Über die Zukunft von Werbung im öffentlichen Raum“ ins RadioKulturhaus in Wien. Moderatorin Patricia Pawlicki inspirierte die Diskutanten und das Publikum, ihre Gedanken zu diesem kontroversiellen Thema zu äußern und den Blick auf mögliche Entwicklungen und Verbesserungsvorschläge zu richten. Das Podium - neben EPAMEDIA-Chairman Heinrich Schuster auch der Bielefelder Stadtplaner Volker Crayen, Architektin Katharina Fröch, Designer Kai Stania, Kreativkopf Christian Satek und Grünen-Politikerin Sabine Gretner . kam der Einladung nach und entwarf mögliche Zukunftsszenarien, diskutierte die politischen Schwierigkeiten in der Umsetzung neuer Konzepte und warf einen kritischen Blick auf die aktuelle Situation in Wien im Vergleich zu anderen Städten. Ein kritischer Blick auf die Werbung in der Stadt
Bereits nach den Anfangsstatements der Diskutanten war klar: Werbung erfüllt Funktionen, auf die eine Stadt nicht verzichten kann - denn Wirtschaft funktioniert nicht ohne sie. Dabei ist die Außenwerbung noch das Medium, das am wenigsten Zeitbudget der Konsumenten in Anspruch nimmt, eine hohe Akzeptanz erfährt und am wenigsten in die Intimsphäre der Menschen eindringt. Dass allerdings die Masse nicht auf Kosten der Klasse gehen darf, war der gemeinsame Nenner der Diskutanten. Schließlich ist die Stadt ein Abbild der Gesellschaft. Dr. Heinrich Schuster fasste aus Sicht eines Außenwerbe-Unternehmers zusammen: „Wichtig ist die Qualität, nicht die Menge der Werbeträger. Dabei muss auf die Bedürfnisse einer Stadt Bedacht genommen werden - sonst kommt es vielleicht gar zu Überreaktionen wie wir dies in Sao Paulo vorexerziert bekommen haben. Dort wurde ein Punkt erreicht, an dem offenbar nur noch ein Rundumschlag möglich war, was zu einem 100%igen Abbau aller Werbeflächen im öffentlichen Raum führte. Wobei aus Außenwerber-Sicht zu betonen ist: Die wahrgenommene Qualität unserer Werbeträger spielt eng mit der Qualität der Sujets zusammen.“ „Das Plakat ist für Werber eine tolle Spielfläche mit langer Tradition - hier ist die Botschaft das Medium“, hakte Kreativprofi Christian Satek an dieser Stelle ein. „Doch zu viel ist zu viel - und da schlägt das Pendel dann wie in Sao Paulo zurück. Weniger ist manchmal einfach mehr - das beweist ein Blick über die Grenzen, beispielsweise in die Schweiz oder nach London, wo wertigere Flächen intelligenter bespielt werden. Was fehlt ist die Steuerung des öffentlichen Raumes in der Gesamtheit und eine Verzahnung der Disziplinen. Daher ist die Diskussion über dieses Thema notwendig und wichtig.“ Das zitierte Schweizer Modell wurde von Volker Crayen aufgegriffen. „Schlichtere Werbung, sinnvoll und sensibel in die verschiedenen Zonen einer Stadt integriert, ergeben ein sauberes Stadtbild und steigern - das beweisen die Schweizer Zahlen – sogar die Effizienz“, wusste er zu berichten und setzte gleich das Beispiel Bielefeld nach: „Im Rahmen der Neugestaltung der Fußgängerzone in Bielefeld wurde prototypisch vorexerziert, wie ein solcher Prozess optimal abläuft. Kommune und werbetreibende Wirtschaft wurden frühzeitig in die Planung einbezogen, in der Werbung von vornherein ein Platz eingeräumt wurde. So wurden die Entwicklungspotenziale der Stadt aufgezeigt und optimal umgesetzt. Das ist allerdings ein Prozess, der gemeinsam gewollt sein muss.“ Ein Weg, von dem laut Gemeinderätin Sabine Gretner Wien noch weit entfernt ist: „Eine Diskussion zum öffentlichen Raum gibt es in Wien nicht, ein solcher Denkprozess ist noch nicht erkennbar. Augenblicklich stehen die wirtschaftlichen Interessen der politischen Instanzen einer solchen Lösung entgegen. Was uns fehlt, ist eine Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raumes und die Schaffung eines Flächenentwicklungsplanes. Hier arbeitet Wien teilweise noch wie im letzen Jahrhundert.“
„Die Verantwortung für den öffentlichen Raum kann und muss aber von Seiten der Politik kommen“, hakte Architektin Katharina Fröch ein. „Es ist der einfachere, aber nicht gangbare Weg, diese an Architektur und Stadtplanung abzuschieben.“
„Wichtig ist das Schaffen eines ausgewogenen Verhältnisses“, meinte Designer Kai Stania und fügte hinzu: „Vereinheitlichung und der Verlust von Individualität kann nicht die Antwort auf stadtplanerische Fragen sein, denn das würde den Verlust jeglicher Evolution bedeuten. Der öffentliche Raum und seine Ausformen müssen sich aber weiterentwickeln - auch in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, die auch in der Außenwerbung und deren Verwendung von Materialen wichtige Themen der Zukunft sein werden.“ Vernachlässigte Aufgaben der Politik?
In der Diskussion kristallisierte sich ein roter Faden heraus: die Verantwortung der Politik, was die Gestaltung und optimale Nutzung des öffentlichen Raumes angeht und die diesbezüglichen Mankos und Versäumnisse. Diese Kritik drückte sich aus in einem Exkurs zum kürzlichen und immer noch aktuellen „Aufreger“ der Wiener aus - den Kulturplakat-Halbschalen. „Ein unglücklicher Versuch, ein bestehendes Problem ohne Konzept zu lösen“, fiel Katharina Fröch hierzu ein. „Den falschen Weg ohne Berücksichtung der Frage nach kommerzfreien Zonen“ nannte es Heinrich Schuster, einen „Verlust der nötigen lebendigen Subkultur durch die Wildplakatierung“ Christian Satek.
Auch abseits dieses aktuellen Ärgernisses wurde der Ruf nach mehr politischer Verantwortung in der Gestaltung des öffentlichen Raumes und der Implementierung von Werbung in demselben durch Fragen aus dem Publikum gestützt. Wartehallen, in denen zugunsten omnipräsenter Werbung die Primärfunktionen Information und Fahrplanauskunft vernachlässigt werden, wurden dabei ebenso angesprochen, wie die Totalbeklebungen öffentlicher Verkehrsmittel und den damit einhergehenden Verlust eines Stückchens Identität der Stadt, deren Bild sie maßgeblich mit prägen. Das Fazit: Es gibt einiges zu tun
Am Ende der Diskussion stand als Fazit eine große Aufgabe: ein runder Tisch mit allen Beteiligten von Werbeunternehmen über Stadtplaner und Architekten bis zu den politischen Entscheidungsträgern. Die Besucher des Symposiums nahmen am Ende des Tages den Aufruf nach Sensibilität in der Problemerkennung ebenso mit, wie die Aufforderung an die Öffentlichkeit, den politischen Diskurs durch einen Aufschrei und Aktionismus einzufordern. |